Sonntag, 26. August 2007

Bereits einen Tag frueher als urspruenglich geplant mussten wir die Fahrt nach Chengdu antreten. Fuer die naechsten Tage gab es einfach keine Bahntickets mehr.

Da die Fahrt ueber 842km ueber 18 Stunden dauern sollte, liessen wir es am letzten Vormittag in Xian etwas ruhiger angehen, bummelten noch einmal durch die Strassen und Gassen und verbrachten die Zeit nach dem Mittagessen bis zur Abfahrt des Zuges in einem kleinen Teehaus.
Xian 1Xian 2Das neue XianXian 3

Das gibt mir die Gelegenheit, an dieser Stelle etwas ueber den Ursprung der chinesischen Kultur zu erzaehlen.
Als Stammvater der chinesischen Nation und Ahn aller Nationalitaeten Mittelchinas gilt der Gelbe Kaiser, der in einem Mausoleum etwa 200km entfernt von Xian beigesetzt sein soll. Dieses Mausoleum konnten wir leider aus Zeitmangel nicht besuchen.

Der Gelbe Kaiser soll vor 5000 Jahren der Anfuehrer des Stammesbundes im Gebiet des Gelben Flusses im heutigen Mittel-, Nordwest- und Nordchina gewesen sein. Wegen seiner grossen Kriegsverdienste sei er von allen Staemmen zum Fuehrer gewaehlt worden. Er habe 25 Soehne gehabt, die in den Gebieten am Gelben Fluss und am Yangze ihre Kinder und Kindeskinder hinterlassen haben. Der Gelbe Kaiser soll das Volk dazu angehalten haben, Ackerbau zu betreiben sowie Voegel und Tiere zu zuechten, er soll auch Schloesser haben bauen lassen, habe Boot und Wagen bauen sowie fuenffarbige Kleidung weben koennen und habe Schriftzeichen, Musik, Medizin und Mathematik geschaffen. In Wirklichkeit wurden manche Erfindungen, die man dem Gelben Kaiser zuschrieb, von anderen gemacht. So hatte Lei Zu, die Frau des Gelben Kaisers, die Seidenraupenzucht, die Seidenspinnerei und das Brokatweben erfunden. Ein damaliger Geschichtsschreiber namens Cang Jie hatte alte Schriftzeichen neu geordnet und dadurch die chinesische Schrift geschaffen.

Nach Aufzeichnungen aus dem Altertum wurde der Gelbe Kaiser sehr vom Volk verehrt. Sima Qian, ein Historiker der Han-Dynastie vor mehr als 2000 Jahren, schrieb ab der Zeit des Gelben Kaisers die Geschichte Chinas vor der Han-Dynastie nieder, deshalb nannte man den Gelben Kaiser spaeter den "fruehesten Ahnen der chinesischen Nation". Der Ueberlieferung nach war der Gelbe Kaiser mit dem Kaiser Yan Di, dem Fuehrer des Stammesbundes des heutigen Südchina, blutsverwandt. Deswegen vereinigten sich die zwei grossen Stammesbuende zu einer Nation, der chinesischen Nation, und so nennen sich die Chinesen auch Nachfolger des Kaisers Yan Di und des Gelben Kaisers. Nach den Aufzeichnungen der "Biographie der fuenf Kaiser" sowie der "Biographie des Gelben Kaisers" im Buch "Shi Ji (Geschichtliche Aufzeichnungen)" von Sima Qian wurde der Gelbe Kaiser, nachdem er gestorben war, auf dem Qiaoshan, 200km noerdlich von Xian, bestattet.

Soweit ein kurzer Ausflug in die frueheste chinesische Geschichte. Kurz vor 16 Uhr ging es dann ab zum Bahnhof. Mindestens eine Stunde vor der Abfahrt muss man da sein. Vor Betreten des Bahnhofs wird jedermanns Gepaeck gescannt, wie am Flugplatz. Sehr aufwendig bei den vielen Menschen. Dann kann man nicht einfach auf den Bahnsteig schlendern, sondern muss sich wieder in Schlangen anstellen und sein Ticket vorzeigen. Dann richtigen Waggon finden, einsteigen, geschafft. Hoert sich alles schlimmer an als es ist. Man muss nur genug Zeit mitbringen.
Fuer die doch recht lange Fahrt hatten wir Tickets im Softsleeper. Das sind recht bequeme Betten in Viererabteilen. Die 188 Yuan teure Fahrt begann puenktlich um 17:30 Uhr und sollte bis zum naechsten Tag 11:45 Uhr dauern.
Chaos am BahnhofSoftsleeper

Viele Gruesse
Cathrin

Ruhepause