Hangzhou - Buddhastatue am Herbeigeflogenen Gipfel

Immer noch Donnerstag, 27. August 2009

Vor ueber zweitausend Jahren wurde der Buddhismus von indischen Missionaren nach China gebracht. Eines Tages glaubte ein vorbeikommender indischer Moench, ganz in der Naehe von Hangzhou einen Berg aus seiner indischen Heimat wiederzuerkennen. Er konnte sich dieses Phaenomen nicht anders erklaeren, als dass dieser Berg aus Indien gekommen sein und an diese Stelle geflogen sein musste. Der 168 Meter hohe Berg bekam den Namen Herbeigeflogener Gipfel (Feilai Feng). Der Moench sah dies als ein besonderes Zeichen und gruendete im Jahre 326 am Fusse des Berges das Kloster der Seelenzuflucht (Ling Yin Si).

Wie aber konnte man verhindern, dass der Berg, offensichtlich zum Fliegen befaehigt wie er nun einmal war, wieder wegflog? Die Loesung war ganz einfach. Man bedeckte den fliegenden Berg ueber die Jahrhunderte mit Buddhafiguren und Schrifttafeln. Dieses, so glaubte man, sei ein wirksames Mittel, den Berg am Wegfliegen zu hindern. Bis heute hat diese Strategie ja auch funktioniert, denn der Berg befindet sich immer noch an Ort und Stelle.

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Die heilige Staette liegt eingebettet in einem bizarren Felsenlabyrinth, in dem sich die Besuchermassen auf der Suche nach den uralten, in den Stein gemeisselten Figuren verlaufen. An den Felswaenden und in den Hoehlen des Gipfels gibt es ueber 470 Buddhafiguren aus der Periode der Fuenf-Dynastien, der Song- und Yuan-Dynastie. Besonders sehenswert ist der dickbäuchige "Buddha der Zukunft" (Maitreya) aus dem 10. Jahrhundert, der lachend auf seinem Lotusthron sitzt.

Über die Jahrhunderte entwickelte sich das Ling Yin Kloster zum groessten Kloster Chinas. Die riesige Anlage, die bis zum 10. Jahrhundert 300 Gebaeude, in denen 3.000 Moenche lebten, umfasste, wurde waehrend des Taiping-Aufstandes in den Jahren 1851-1864 voellig zerstoert. Heute ist das Kloster wieder aufgebaut und erfreut sich regen touristischen Andrangs. Wer im Tempel Ruhe finden will, muss sich aus diesem Grunde allerdings zuerst seinen Weg bahnen an langen Warteschlangen vor den Kassen, unzaehligen Verkaufsstaenden, welche mal mehr, mal weniger religioese Artikel anbieten, Imbissbuden und von Fahnen angefuehrten Reisegruppen vorbei. Ueber dem Tor des Tempels wirbt eine neonbunte Lichtreklame fuer die religioese Erleuchtung. In seinem Inneren dann endlich Stille.

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Das Kloster liegt inmitten subtropischer Vegetation. Grillen zirpen in den Baeumen, drueckende Feuchtigkeit liegt in der Luft, Schmetterlinge fliegen umher, der Duft der Raeucherstaebchen durchzieht die Luft. Das Hauptbauwerk des Tempels ist die Halle des Grossen Helden (Daxiong Baodian). In der Mitte der 33 Meter hohen Halle befindet sich eine vergoldete Holzstatue des Buddha Shakyamuni. Er sitzt auf dem Lotusthron, einer Bluete der Lotosblume,Sinnbild fuer die Reinheit des Landes. Mit einer Hand segnet er die Glaeubigen. Seine Haare sind blau gefaerbt, die Farbe des Himmels und des Wassers. Rings um die Buddhafigur reihen sich Figuren seiner Schueler auf. Sie sind verschiedenen Geschlechts, haben grimmige Gesichter und teilweise mehrere Arme, wodurch ihre besondere Stellung als Juenger bildhaft unterstrichen wird.

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Ein weiteres Wahrzeichen der Stadt Hangzhou ragt am Nordufer des Westsees auf dem Edelsteinhuegel (Baochi Shan) stolze 45 Meter in die Hoehe. Die Beschuetzer-Chu-Pagode (Baochu Ta) wurde im Jahre 968 erbaut, in ihrer Geschichte natuerlich auch mehrmals zerstoert und immer wieder aufgebaut. Das heutige Bauwerk stammt aus dem Jahr 1933.

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Am des suedlichen Ufer des Westsees liegt die Leifeng-Pagode. Diese Pagode ist nicht mehr im Original erhalten, sondern wurde erst im Jahre 2000 komplett neu aufgebaut. Die Leifeng-Pagode wurde urspruenglich im Jahr 977 erbaut. Am Endpunkt ihrer wechselvollen Geschichte stuerzte sie 1924 in sich zusammen. Es blieb nur ein grosser Truemmerhaufen uebrig. Im Museum der Ueberreste der Leifeng-Pagode, das sich im Erdgeschoss der neuen Pagode befindet kann man die erhaltenen originalen Teile besichtigen.

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Obwohl die Pagode seit dem 13. Jahrhundert zu den Zehn Ansichten des Westsees gezaehlt wurde, wird sie nur selten von den vielen bedeutenden Dichtern und Gelehrten, die ueber den Westsee schrieben, erwaehnt. Diese Tabuisierung in der Literatur hing einerseits wohl mit ihrer Baufaelligkeit zusammen, andererseits aber auch mit den volkstuemlichen Legenden, die sich um die Pagode ranken, galt die Pagode doch als ein Ort, an welchen ein Schlangendaemon verbannt worden war. Im 20. Jahrhundert wurde die Pagode im Anschluss an den modern umgedeuteten Legendenstoff ueber die Weisse Schlange zu einem Symbol fuer das alte, feudalistische, die Frauen unterdrueckende System. Ihr Einsturz wurde entsprechend als ein positives Zeichen fuer den Anbruch eines neuen Zeitalters gedeutet.

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Von der Leifeng-Pagode hat man einen sehr schoenen Blick ueber die Skyline von Hangzhou. Mit 40 Yuan (4 Euro) pro Person ist der Eintrittspreis fuer chinesische Verhaeltnisse relativ hoch. Dafuer kommt man aber auch in den Genuss eines geissen Komforts. Fahrstuehle und Rolltreppen in einer Pagode sind wohl einmalig auf der Welt.

Viele Gruesse
Cathrin

Hangzhou - Leifeng-Pagode 08 Blick auf den Westsee