Von Nyalam nach Zhangmu 05

Dienstag, 24. August 2010

Der kleine Ort Tingri dient, genau wie Shekar, nur als Uebernachtungsstopp auf dem Weg zum oder vom Mount Everest Base Camp. Ausser dem herrlichen Bergpanorama gibt es nichts zu sehen. Deshalb hielten wir uns dort auch nicht lange auf, sondern nahmen gleich nach dem Fruehstueck bei wesentlich schlechterem Wetter als an den vergagenen Tagen die letzte Etappe auf der Fahrt zur nepalesischen Grenze in Angriff.

Tingri 01Tingri 02

Zunaechst ging es wieder einmal konsequent bergauf. Nach etwa 85 Kilometern erreichten wir den Lalung La-Pass, mit 5.050 Metern, der letzte Fuenftausender auf unserem Weg. Nach dem Mittagessen in Nyalam, einer Ortschaft quasi am Ende des tibetischen Hochplateaus, begann dann die abenteuerliche und halsbrecherischen Abfahrt, die uns in wenigen Stunden in den nur 2.350 Meter hoch gelegenen Grenzort Zhangmu (tibetisch: Dram) fuehrte.

Lalung LaNyalam

Die schmale Strasse stuerzte regelrecht vom Himmel in eine gruene, tropische Schlucht. Der Kontrast konnte nicht groesser sein. Wie eine ganz andere Welt wirkte das Erreichen der Schlucht mit seinen hunderten Wasserfaellen, Bananenstauden am Strassenrand und dem ploetzlichen feuchttropischen Klima nach dem doch sehr kargen und teilweise kaum bewachsenen Hochland von Tibet. Dicht bewaldete Schluchten und reissende Gebirgsbaeche bildeten die kontrastreiche Kulisse. In geradezu waghalsigen Serpentinen ist die Piste in die Suedhaenge des Himalaya gehauen. Neben unseren Autoreifen ging es stets mehrere tausend Meter tief in die enge Schlucht. Doch unser Fahrer meisterte jede noch so enge Kurve und jeden ueber die Strasse plaetschernden Wasserfall mit einer stoischen Ruhe und Gelassenheit.

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Etwa 20 Kilometer von Zhangmu wurden wir von einer endlosen Schlange von mindestens 50 Autos gestoppt. Wir liefen nach vorne und stellten fest, dass dort am Hang eine richtige kleine Strassenarbeiterstadt errichtet war, mit Zelten und allem drum und dran. Wie kleine Ameisen wuselten dort Arbeiter, Maenner sowie Frauen, die mit Maschinen aus dem letzten Jahrhundert versuchten, die nach einem Erdrutsch beschaedigte Strasse wieder befahrbar zu machen. "Only 15 minutes, then we can go." sagte unser Fahrer hoffnungsvoll. Diese 15 Minuten weiteten sich allerdings schnell zu mehr als einer Stunde aus. Nachdem wir uns auf eine laengere Wartezeit eingerichtet hatten, ging es dann irgendwann doch weiter. Die Baustelle war auch mit Allradantrieb fast nicht passierbar. Ueber riesengrosse Steine und durch tiefe Schlammloecher schlichen wir weiter die Strasse hinunter bis nach Zhangmu.

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Dort stellte sich schnell heraus, dass Zhangmu kein Ort zum laengeren Verweilen war. Man koennte fast sagen, ein Ort des Grauens. Ein sehr schmutziges Nest an der Grenze, dessen Uebernachtungsmoeglichkeiten auch eher unterirdisch waren. Unser Fahrer verabschiedete sich von uns und trat noch am Abend die Rueckfahrt nach Lhasa an. Gemina, Anjum und ich suchten uns eine Unterkunft in einem der schaebigen Loecher, die sich in Zhangmu Hotel nennen, und warteten sehnlichst auf den naechsten Morgen, um die Grenze nach Nepal zu passieren.

Viele Gruesse
Cathrin

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