Tho

Die Thổ leben in den Bergregionen der Provinzen Nghệ An und Thanh Hóa im noerdlichen Zentralvietnam. Doe Volkszaehlung vom 1. April 1999 ergab 68.394 Angehoerige dieses Volkes. Heute sollen es fast 80.000 sein. Einige Ethnologen sehen in den Thổ eine Untergruppe der Mường. Die Sprache der Thổ ist verwandt mit der vietnamesischen Sprache und gehoert zur Gruppe der Viet-Muong-Sprachen.

Frueher lebten die Thổ in Haeusern auf Pfaehlen. Jetzt bevorzugen sie den Bau direkt auf dem Boden. In der Landwirtschaft spielt der Anbau von Reis und Hanf die groesste Rolle. Hanf wird in erster Linie zur Herstellung von Produkten das taeglichen bedarfs wie Taschen, Netze und Haengematten angebaut. Die Thổ sind erfahrene Fischer und Jaeger. Fuer die Herstellung eines Fischernetzes werden 30-40 Kilogramm Hanf benoetigt. Fuer das taegliche Leben und Ueberleben werden ausserdem im Wald Gemuese, Fruechte und Wurzeln gesammelt.

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Nach alter Sitte befindet sich das Land rund um das Dorf im Besitz aller Dorfbewohner. Dazu gehoeren auch die Waelder, Fluesse oder Berge. Jeder Dorfbewohner ist berechtigt, das Land maximal zu nutzen und die Fruechte seiner Arbeit zu geniessen. Die gegenseitige Hilfe ist seit alter Zeit sehr ausgepraegt. Da die Thổ selbst keine Weberei betreiben, kaufen sie ihre Kleidung bei benachbarten Voelkern. In einigen Regionen aehnelt die Kleidung der der vietnamesischen Bauern zu Anfang des vorigen Jahrhunderts.

Tho - Kleidung

Die Beziehungen der jungen Leute sind von dem alten Brauch des ngủ mar (frei uebersetzt: Frauen schlafen) gepraegt. Dabei liegt man zusammen und fuehrt nach strengen Regeln Gespraeche von "Herz zu Herz". In Folge dieser naechtlichen Zusammenkuenfte findet jeder einen passenden Partner. Vor der Hochzeit muss der Junge viele Tage fuer seine zukuenftigen Schwiegereltern arbeiten. Fuer die Ausrichtung der Hochzeit ist die Familie des Braeutigams verantwortlich.

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Fotos: cema.gov.vn

Die Thổ verehren ihre Vorfahren und glauben an unzaehlige Goetter und Geister. Verehrt werden auch der Gruender des Dorfes und Kriegshelden. Die wichtigste Zeremonie findet jedes Jahr vor der Aussaat statt. Auch der Beginn und der Abschluss der Ernte werden mit ganz bestimmten Ritualen begangen. Erkrankt ein Kind schwer, wird die Goettin der Geburt um Hilfe angebetet. Aehnliche Rituale gibt es auch fuer erkrankte Erwachsene. Das kulturelle Erbe der Thổ bestand frueher aus alten Geschichten, Maerchen, Sprichwoertern und Kinderliedern. Leider ist das meiste davon heute in Vergessenheit geraten. Bei Festen werden aber noch alte Lieder und Taenze aufgefuehrt.

Viele Gruesse
Cathrin