Xe om wartet auf Kunden

Wie viele Hotels in Hanoi hat auch das vom Taxi unseres Touristen angesteuerte zwei Namensvettern. Das heisst, es gibt drei Hotels dieses Namens, die natuerlich verschiedene Adressen haben. Und der Chauffeur fragte, wohl aus Nachlaessigkeit, nicht nach der Anschrift, die ihm sein Kunde ja auch nicht haette geben koennen, und waehlte aus den drei Hotels selbst eines aus. Und eine Dreiviertelstunde spaeter setzte er ihn dort ab. Unser Freund kuemmerte sich nicht darum, in welcher Strasse er sich befand, da doch das Schild mit dem Namen des Hotels mit dem uebereinstimmte, der in seinem Reisefuehrer gestanden hatte, und ging zur Rezeption. Es war ein Zimmer frei, der Preis stimmte, alles klappte hervorragend. Schoene Lage, funktionierende Dusche, verdientes Ausruhen. Doch dann war es Zeit, die kulinarischen Spezialitaeten der Stadt zu erkunden. Und jetzt fiel unserem Freund auch der Name eines Restaurants ein, das in seinem Reisefuehrer als beruehmt fuer seine Fischspezialitaeten beschrieben wurde. Er erinnerte sich, denn der Name war leicht zu behalten. Was die Anschrift angeht, das duerfte nicht schwierig sein. Er musste ja nur an der Rezeption fragen. Dort schlug man ihm gleich vor, ein Xe Ôm (Mopedtaxi) zu mieten, um dorthin zu fahren. Gute Idee und wo finde ich ein Xe Ôm? Nur 100 Meter nach links, da werden Sie sie sofort sehen, und sie werden von selbst zu Ihnen kommen, um ihre Dienste anzubieten. Das schien ja einfach zu sein. Nur hatte unser etwas leichtsinniger Tourist nach 100 Metern die Anschrift vergessen und erinnerte sich nur noch an den Namen des Restaurants. Diesen nannte er dem Fahrer des Xe Ôm. Der fuhr los, zu einem der fuenf Restaurants, die alle denselben Namen hatten und dieselbe Spezialitaet anboten. Das Essen war wirklich vorzueglich, das Bier kalt und frisch. Und nun mit einem Taxi zurueck ins Hotel!

Familientaxi

Hier nun entgleist die Mechanik vollends. Da er immer noch nicht die Anschrift des Hotels kennt und es auch versaeumt hatte, eine der kleinen Visitenkarten mitzunehmen, die an der Rezeption ausliegen, nennt unser Freund dem Taxifahrer, der leider nicht derselbe ist wie der am Vormittag, den Namen. Dieser steuert nun seinerseits eines der drei Hotels an, die denselben Namen tragen. Und natuerlich waehlt er nicht dasselbe wie sein Kollege. Und so haelt das Taxi vor einem Hotel, das nicht dasjenige ist, das unser Freund vor einer Stunde verlassen hat. Also weigert sich dieser, auszusteigen und erklaert in einem deutsch-englischen Kauderwelsch, dass ein Irrtum vorliege. Der Chauffeur antwortet in einem anglo-vietnamesischen Kauderwelsch, dass dieses doch der Name sein, den er ihm genannt habe.

Aufregung, Nervositaet, Herzklopfen, die Lage wird prekaer. Und in diesem Augenblick betrete ich die Buehne. Ich weiss nicht mehr genau, was ich damals dort zu tun hatte. Jedenfalls war ich gerade dabei, auf meine Honda zu steigen, als ich einen Besessenen sah, der 30 Meter weiter in einem Taxi mit Haenden und Fuessen um sich schlug, und einen Fahrer, dem langsam die Geduld ausging. Da ich manchmal extrem neugierig bin, naehere ich mich dem Seitenfenster des Taxis, um zu erfahren, was da los ist. Als ich den Fahrer auf Vietnamesisch ansprach, hatte ich sofort sein Vertrauen gewonnen. In der Folge erfuhr ich den Grund fuer die dramatische Zuspitzung, die das Geschehen in diesem Taxi erfuhr. Da ich in dem Fahrgast einen ehemaligen Landsmann erkannte, weil er einige Flueche ausstiess, die ich verstand, wandte ich mich direkt an ihn, erklaerte ihm den Grund fuer die Missverstaendnisse und erlaeuterte ihm zugleich die Alternativen, die ihm offen standen.

Oma und Opa mit Enkelin

Entweder er fuhr mit dem Taxi durch ganz Hanoi zu den beiden anderen Hotels, in der Hoffnung, dass das erste das richtige sein wuerde und ihm damit eine astronomische Summe auf dem Taxameter erspart bliebe. Oder ich, da ich jetzt nichts mehr vorhabe, wuerde mit ihm auf meiner Honda dieselbe Tour machen, aber ohne Kostenzaehler. Ohne Zoegern entschied er sich fuer die zweite Variante, stieg aus dem Taxi und beeilte sich, dessen Rechnung zu bezahlen. Das Taxi fuhr davon und der Fahrer war sichtlich erleichtert, von einer solchen Last befreit zu sein. Wir fuhren also los, hatten aber noch keine 50 Meter zurueckgelegt, als er mich an der Schulter stiess und schrie, dass er seine Tasche vergessen habe. Im Taxi?, fragte ich. Dort habe ich nichts gesehen. Nein, im Restaurant!, sagte er. In welchem? Es hiess so und so. Und die Adresse? Weiss ich nicht, aber der Name stimmt. Ungluecklicher, es gibt 5 Resaurants dieses Namens in Hanoi! Ich versuchte es mit Indizien. Welche Farbe? Musste man Treppen steigen? Was fuer Geschaefte in der Nachbarschaft? Ich weiss nicht, aber wenn dir das weiterhilft, die Bedienung hatte ein Namensschild auf ihrer Bluse: Nguyễn.

Nguyễn? Nguyễn! Ach so, Nguyễn! Es gibt fast 40 Millionen Nguyễns in Vietnam!!! Und so kam es, dass ich an einem Oktoberabend die Strassen von Hanoi abfahre, mit einem total entmutigten Sozius auf dem Ruecksitz. Auf der Suche nach einem Restaurant, das genauso heisst wie vier andere, in dem eine Serviererin Nguyễn heisst, wie Millionen andere, und mit der Aussicht, danach ein Hotel zu finden, das so heisst wie zwei andere. Und wie zufaellig befanden sich diese Restaurants und Hotels an entgegengesetzten Enden der Stadt. Meine Ahnen muessen einen Schutzschild ueber mich gehalten haben, denn wir brauchten nur anderthalb Stunden, um nach und nach das richtige Restaurant, die Tasche (ein Hoch auf die Ehrlichkeit des Personals) und das richtige Hotel zu finden.

Anschliessend sassen wir dann noch eine Weile beisammen und amuesierten uns bei ein paar Bia hơi koeslich ueber das Geschehene. Ich habe diesen Touristen danach nicht wiedergesehen, aber hoffte fuer ihn, dass er die Subtilitaeten der Namensgleichheit in Vietnam verstanden hat und auf seiner Reise nicht noch mehr irgendwo herumirren musste auf der Suche nach seinem Hotel.

Viele Gruesse
Cathrin

Mutti und Kinder