Lang Son

In der Provinzhauptstadt Lạng Sơn kurz vor der chinesischen Grenze war ich zum ersten und bisher einzigen Mal vor knapp 12 Jahren. Demzufolge hatte ich keine besonderen Erinnerungen mehr an Lạng Sơn. Die Stadt erschien mir damals ziemlich unattraktiv, was sicher zum groessten Teil daran lag, dass sie Anfang 1979 bei der chinesischen "Strafaktion" fuer den vietnamesischen Einmarsch in Kambodscha fast vollkommen dem Erdboden gleichgemacht wurde. Nicht nur Fabriken, Strassen und Bruecken wurden zerstoert, sondern auch alle Krankenhaeuser, Schulen und Behoerdengebaeude. Auch keines der alten Ziegel- oder Holzhaeuser sowie kaum eine der schoenen Villen aus der Kolonialzeit hat das Wueten der Chinesen ueberlebt.

Lang Son - Neue HaeuserLang Son - Beerdigungszug

Besonders schoen ist Lạng Sơn auch heute noch nicht. Die Stadt profitiert vor allem von ihrer Grenznaehe. Der wichtige Grenzuebergang Đồng Đăng ist nicht einmal 20 Kilomter entfernt. Touristen besuchen die Stadt ueblicherweise nur auf der Durchreise nach China. Die Fahrt fuehrte uns auf der Strasse Nr.1 ueber Bắc Ninh und Bắc Giang stetig in Richtung Nordosten. Es war ein sehr angenehmes Fahren. Der Verkehr hielt sich in Grenzen. So legten wir die gut 150 Kilometer von Hanoi nach Lạng Sơn trotz einiger kurzer Fotopausen unterwegs in ziemlich genau drei Stunden zurueck. Das ergibt dann tatsaechlich eine auf vietnamesischen Strassen nur sehr sehr selten erreichte Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 50km/h.

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Nach etwa zwei Dritteln des Weges passiert man geschichtstraechtigen Boden. In der beruehmten Schlucht von Chi Lăng wurden nicht nur Ueberreste der fruehesten Besiedlung Vietnams gefunden, die schmale Schlucht war jahrhundertelang ein Bollwerk gegen die Eindringlinge aus dem Norden. Nationalhelden wie Lý Thường Kiệt (1077), Trần Hưng Đạo (1285) und Lê Lợi (1427) schlugen dort erfolgreiche Schlachten gegen chinesische Armeen.

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An diesem verlaengerten Wochenende war es in Lạng Sơn doch recht voll. Viele nutzten die freien Tage, um die grossen Grenzmaerkte zu besuchen und sich mit billigen Waren aus China einzudecken. Es war gar nicht so einfach, fuer die Nacht eine Unterkunft zu finden. Erst im dritten Mini-Hotel war noch ein Zimmer fuer uns frei. Da wir nicht zum Einkaufen nach Lạng Sơn gekommen waren, mieden wir die Maerkte und schauten uns lieber am Nachmittag die Stadt an. Lạng Sơn heut haute etwa 200.000 Einwohner. Besonders am Fluss Kỳ Cùng und rund um den Phai Loạn-See sind einige schoene Wohnviertel entstanden. Bemerkenswerte Sehenswuerdigkeiten hat die Stadt selbst aber nicht zu bieten.

Lang Son - Ky Cung FlussLang Son - Phai Loan See

Hauptattraktion fuer Besucher der Stadt ist die Chùa Tam Thanh, die wir am naechsten Tag nach dem Fruehstueck besuchten. Sie besteht aus drei Tropfsteinhoehlen und liegt nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. 30 Steinstufen fuehren in die acht Meter hohe Haupthoehle. Dort kann man sehr weit noch oben klettern und hat dann durch ein natuerliches Fenster in den Kalkfelsen einen tollen Ausblick auf die Felder in der Umgebung. In der Nhị Thanh-Hoehle befindet sich ein kleiner Altar zum Gedenken und zur Verehrung des Dichters und Mandarin Ngô Thì Sĩ (1726-1780), der von 1777 bis 1780 Verwalter der Region Lạng Sơn war. Durch die Nhất Thanh-Hoehle fliesst ein kleiner unterirdischer Fluss. In allen drei Hoehlen befinden sich Altaere mit daoistischen und buddhistischen Gottheiten, weshalb sie ein beliebtes Pilgerziel sind. Typisch asiatisch wird alles schoen kitschig bunt angeleuchtet.

Lang Son - Tam Thanh Hoehle 01Lang Son - Tam Thanh Hoehle 02

Lang Son - Nhi Thanh HoehleLang Son - Nhat Thanh Hoehle

Zum Mittagessen probierten wir mit Vịt quay Thất Khê (geroestete Ente)eine lokale Spezialitaet. Anschliessend brachte uns dann meine Honda zuverlaessig wie immer durch die in dieser Jahreszeit herrlich gruene Landschaft zurueck nach Hanoi.

Viele Gruesse
Cathrin

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