Lothars Abenteuer

Ich moechte heute ein Projekt vorstellen, dem ich nicht nur skeptisch, sondern auch sehr kritisch gegenueberstehe.

Mein Name ist Lothar A. Baltrusch. Seit Dezember 2009 habe ich ein Patenkind in Vietnam: Thi Thao Huyen Pham (12). Ich plane eine Motorradreise zu meinem Patenkind. Folgt mir zwischen Mai bis September 2013 zwei Monaten lang durch 10 Länder, auf über 15.000 Kilometern.
Soweit die einfuehrenden Worte auf der Homepage. Auf die Frage Warum mit dem Motorrad? heisst es dann weiter:

Der einfachste Weg wäre in ein Flugzeug zu steigen und nach Südostasien zu fliegen. Aber es geht um einen Traum. Einen Teil dieser Welt mit einem Motorrad zu bereisen, ist auch heute noch ein Abenteuer und es ist der Traum von Lothar A Baltrusch. Die Distanz von Deutschland nach Vietnam beträgt ca. 15.000 Kilometer, mit dem Motorrad ist es ein extremer Weg, aber es ist auch ein Weg, der Aufmerksamkeit erregt. Und genau das möchte Lothar A Baltrusch – Aufmerksamkeit für World Vision. Aufmerksamkeit für Kinder, die nicht in der »Ersten Welt« leben. Diese Reise soll Leute bewegen, über die Situation von Kindern in der »Dritten Welt« nachzudenken und sie soll einen Anstoß dazu geben, eine Patenschaft für ein Kind in der Dritten Welt zu übernehmen.

Dieses Motiv verdient natuerlich zuerst einmal grossen Respekt. Ich bin ja selbst seit Jahren in Vietnam und Kambodscha sozial engagiert und weiss, wie wichtig die Hilfe fuer Kinder aus armen Familien ist. Sehe ich mir dieses Projekt jedoch naeher an, kommen mir mehr als nur leise Zweifel. Der kommerzielle Charakter ist kaum zu uebersehen. Es werden extra ein Regisseur und ein Kameramann mitreisen. Auch auf die Gefahr hin, dem Mann Unrecht zu tun, aber ich werde das Gefuehl nicht los, da organisiert sich jemand einen mehrmonatigen Abenteuerurlaub mit dem Geld anderer Leute.

Das ist natuerlich zunaechst einmal durchaus legitim, sofern sich genuegend freiwillige Sponsoren finden. Man sollte so etwas dann aber nicht unter dem Deckmantel der Hilfe fuer Kinder tun. Die Sponsoren geben das Geld ja in der Regel nicht aus Menschenfreundlichkeit, sondern weil sie sich irgendeinen Vorteil davon versprechen. Besonders makaber wird es fuer mich, wenn auf der Homepage sogar um Spenden fuer solche Sachen wie Verpflegung, Unterkunft, Visa und Rueckflug gebeten wird. Alles Dinge, die der normale Reisende selbstverstaendlich aus eigener Tasche bezahlen muss.

So ehrenwert die Motive des Herrn Baltrusch auch sein moegen, fuer mich stehen der riesige Aufwand und die immensen Kosten dieses Projektes in keinem vernuenftigen Verhaeltnis zu einem moeglichen spaeteren Nutzen. Mit den Tausenden von Euro, die der gesamte Tross (neben dem Filmteam auch ein Begleitfahrzeug mit medizinischer Ausruestung) unterwegs verbrennen wird, koennte man mit Sicherheit einige Dutzend Kinder in Vietnam neun oder zwoelf Jahre lang zur Schule schicken.

Vielleicht liege ich ja aber auch mit meiner Einschaetzung komplett daneben. Deshalb moechte ich das Ganze nach Absprache mit Herrn Baltrusch hier zur Diskussion stellen. Was meint ihr dazu?

Viele Gruesse
Cathrin